Was in den Chroniken meist verschwiegen wird, und eigentlich auch gar nichts zur Sache tut, ist der Grund warum Manfred Ritter von Rosensäusler kaum je erreichbar ist, hat er doch die Stelle als Nebenerwerbssekretär halbtags bei Gottvater Landeshauptmann angenommen, und als solcher den Hörer des
roten purpurschwarzen Telefons abgenommen.
„Ja, hier bei Gottvater, wen darf ich melden?“
„Ja,...ja,...ja,...hm,...in Ordnung.“
Und schon reichte er mit begleitend erklärendem Murmeln den Hörer weiter.
Somit ist sein Auftritt erübrigt, weil jetzt ist Gottvater, zornesrot bis unter den breiten Scheitel, am Zug, brüllt ins Telefon (an sich kennen wir ihn so ja kaum) und brüllt auch gleich nach der Vollzeitordonanz, geht es doch drunter und drüber in seinem Reich.
Sofort wurde ein Unterausschuss zur Bildung eines Ausschusses einberufen.
... und damit ist St. Pölten bis weit nach Ende der Geschichte beschäftigt.
Etwas weiter östlich, namentlich am Ufer vor Haslau nahm das Drama seinen Lauf, waren doch die Haslauer durch das entbehrliche Schrillen Martin Federkiel-Terminproblems Mobiltelefons gewarnt (wie wir wissen, durch einen der stündlichen Anrufe Gabi Kruspelspitzs) und gingen in Stellung.
Gabi Rauhreif-Katzenfreund schlug sich wacker, war jedoch der Kanonade durch Futterkürbise am offenen Strom schutzlos ausgeliefert. Schon kippte das erste Schlauchboot und Franz Knips und seine Mannen trieben mitten in der Schifffahrtsrinne stomabwärts (Wenn jetzut nur nicht der Twincityliner daherkommt!).
Gabi, und es war das einzig Richtige, blies auf der Altblockflöte zum Rückzug, also kehrt und schön im Seilzug dem rettenden Ufer entgegen.
Aber von wegen rettendes Ufer, eine Horde verkatert zurückgekehrter Vampirbiber hat sich da formiert und, soweit das Auge reicht, das Ufer besetzt.
Gabi bringt aber selbst eine 1:4 Übermacht von Untoten nicht aus der Ruhe, und schon erscholl auf der Altblockflöte das Komando „Keilformation! Mir nach!“.
Schon war die schwache Stelle, ein paar junguntote Vampirbiber, quasi noch unerfahren im Vampirismus, dort galt es den Durchbruch zu wagen.
Was soll ich sagen, es gelang, zwar unter beachtlichen Verlusten, stellten sich doch die Pflöcke aus Weichholz ungeeignet für die Abwehr dar, haben scharfe Biberzähne doch jahrtausendlange Erfahrung im Zerhäckseln von solchen Hölzern, und so müssen wir in dieser Geschichte auch noch auf Ironimus Zeitschüberl verzichten, weil von seinen heldenhaften Taten als Nachhut kündet nur noch eine schlichte Marmortafel an einer Schwarzpappel.
Die nunmehr dezimierte Truppe versuchte das Heil in der Absetzbewegung nach Schloss Orth im Orte Orth, wo eilends eine Stategie aus den Fingern gezuzelt wurde.
Der Biber an sich ist ja an Land ein bisserl patschert was die Fortbewegung anbelangt, was vielen der restlichen Helden vorerst das Leben rettete.
Also rein ins Autheater im ersten Stock und Brandschutztüre zu. Erst einmal verschnaufen und die Blessuren verarzten.
Was die Helden und Heldinnen nicht wussten, war, dass in der Zwischenzeit, man ging ja davon aus, dass Justin der Obervampirbiber sei, Saritch Vlad Tepes, quasi Überdrübervampir, Kunde von den Ereignissen zugetragen wurde, und selbiger sofort mit seiner Garde angeflattert, zuerst einmal Carl den Schlossherrn mittels Saugebiss ausgeschaltet hat, und mit ihm die ganze Verwaltung des Nationalparks, bis auf die Jungfer Erika, die ja als Geisel am anderen Ufer schmachtete.
Während sich der Ring der Vampirbiber langsam, wie gesagt, Biber zu Lande ..., langsam schloss, sich die Helden und Heldinnen in den Ausstellungsräumen verbarrikadierten und Sarich Vlad Tepes sich mit einer Stoffserviette die Mundwinkel abtupfte (Sarich hat ja Stil), erreichte Franz Knips adrenalingeschwängert mit den Seinen das rettende Ufer wo er schnurstracks nach Petronell eilend sein Händy suchte um zum Einen die Petroneller zu kontaktieren (der Franz kennt ja stromauf, stromab so ziemlich jedermann)und zum Anderen die Petroneller-Armada ins Wasser zu setzen.
Gottseidank, das Händy hat er gefunden, und schon paddelte die verschworene Gruppe stromauf um die versöhnlich gestimmten Haslauer (Wenns um die Wurscht geht ziehen die Nationalparkgemeinden mitunter auch an einem Strick) mitsammt der Jungfer Erika überzusetzen.
Derweil knirschten die Vampirbiber bedrohlich mit den Zähnen (damit schärft der untote Biber gewöhnlich seine Beißwerkzeuge), die Helden und Heldinnen machten sich bereit für einen heldenhaften Ausfall (wer noch aufs Klo musste, der hatte jetzt Gelegenheit) und Sarich Vlad Tepes gesellte sich zu Justin in freudiger Erwartung diverser Blutgruppen (das Plätschern der Mundspeicheldrüsen schreckte selbst Menschen die kilometerweit entfernt in unschuldigem Schlaf lagen noch aus diesem).
Letztendlich war es Chrischtl Sidtirol-Sonnenschein die mit einem schrillen „Auf geht´sch, Manderch!“, was zwar niemand verstand, aber den Sinn wohl erahnte, die Helden und Heldinnen in die Schlacht warf, Gabi Rauhreif-Katzenfreund, wie immer, an ihrer Seite.
Inzwischen fingerte die erste Morgenröte über Schloss und Schlossinsel, was aber den Untoten sowas von wurscht war, hatten doch auch sie, dank Darwin, ein bisserl Evolution hinter sich (Knoblauch, Zwiebel etc. detto, und schon überhaupt im Marchfeld).
Na aber verdutzt war´n sie schon ein bisserl die Untoten, weil dass sich ihnen Sterbliche so mir nichts dir nichts die Stirn haben, ihnen Paroli zu bieten, das war schon lang nicht mehr.
„Ja gehtsch ihr weg ihr Grauslichen, odr!“ war Chrischtls Schlachtruf, und hat mit dem Paddel dem Justin voll derwischt mitten am Schädel, also mitten durch, weil das Blatt war senkrecht.
Dunkelschwarzes Vampirbiberblut spritzte, und spritzte auch auf den Sarich, der sich pikiert mit einem Satintaschentuch trockenzutupfen anschickte, als sein Blick den von Chrischtl begegnete ...
Von der Schlossinsel her stürmten just in dem Moment Franz Knipsens Mannen, also auch die Haslauer mit der Jungfer Erika ins Getümel welches plötzlich wie eingefroren innehielt.
Erika sah Sarich, mit dem sie seit Berlin etwas verband, und schmolz. Also sie schmolz nicht richtig, halt so mehr schmachtend schmelzen, sinnbildlich, was Petrovic von Tintograd, illegitimer Nachfahre des unglücklichen Zaren, keineswegs verborgen blieb.
Männer sind halt so wenn es um die Ehre geht, das endet oft in Raufhändel, und so auch diesmal.
Kurzum, der Petrovic zieht seinen Degen, der Sarich hat ihn schon in der Hand, sind doch echte Vampire ziemlich flink. Womit der Vlad Tepes nicht gerechnet hat, Petrovic war Jugendvizemeister von Teptlic im, genau erraten, Fechten.
Hin und her ging das, schon hat die Wintersonne den Zenit erreicht, dem Publikum war´s dann auch schon ein bisserl fad, als Jungfer Erika unversehens ein Tüchlein zu Boden fiel. Ganz sanft schwebte es zu Boden, was, ein Graf ist ja, mag er noch so schurkisch sein, ein Galan, den Sarich Vlad Tepes dazu veranlasste, selbiges, also das Tüchlein, aufzuheben um es an seinen Busen zu drücken, war er doch seit Berlin der holden Jungfer Erika auch sehr zugetan.
Der Stich kam von schräg unten, genau durch die Vampirleber ins Herz. Fragt´s mich jetzt nicht, wie das der Petrovic gemacht hat, wir waren alle überrascht, und auch, dass sein Degen vorne ein Stückerl Eichenholz draufgehabt hat haben wir nicht gewusst.
Jedenfalls, der Obervampir hat nur noch so herumgeröchelt, mit den Armen in der Luft herumgerudert und ist in einer Piruette filmreif zu Boden gegangen, begleitet von einem stattlichen Streichersatz und dem Chor der Biber.
Ein wenig Balleteinlage, wiederum die Biber, Chor der Helden, was ziemlich heroisch klang, und aus war´s mit dem Fürst der Finsternis.
Das war für Jungfer Erika zu viel. In einer dramatisch aufwogenden Geste stürzte sie sich über den erkaltenden, wiewohl Vampire ja an sich eh schon ziemlich kalt sind, Leichnam des Sarich Vlad Tepes, und, jetzt begleitet vom Chor aller Anwesenden, fulminant muss ich sagen, also fast so wie das Requiem von Mozart, aber halt nur fast, zückt ihren Dolch und, na ja, es ist nur wegen der Dramatik, stößt ihn sich in die Brust.
Petrovic war zum Glück nur sekundenlang perplex, hat, war er doch im Nebenberuf Herzchirurg, sofort, begleitet von verhalten leise singendem Chor der Helden und Heldinnen, ein Spenderherz aus einem der frischen Opfer entnommen und es der gerade eben Verblichenen eingesetzt.
Josef, seines Zeichens Ranger, hat ja für alle Fälle immer Alles dabei, und selbst singend hat er auch noch die Narkose überwacht, was nicht ganz leicht war, weil da waren auch Tanzeinlagen vorgesehen, und mit Tanzen ..., fragt´s meine liebwerte Frau.
Jedenfalls, ein glückliches Ende war abzusehen.
Petrovic herzte Erika, Chrischtl herzte Gabi, Martin herzte Franz, der wiederum herzte sein Schlauchboot, die Purkersdorfer herzten die Eckartsauer, die wiederum gemeinsam die Haslauer (die Traktore wurden umgehend freigegeben), Martin herzte seine Gabi und auch gleich den Nationalpark, weil den hat er dann ja übernommen, was schon ein Bubentraum von ihm war, und die Vampirbiber mitsamt den Restvampiren und allen Infizierten zogen mit hängenden Köpfen ab, waren sie doch ohne Führerschaft.
Noch heute sieht man in manchen Schenken im Marchfeld, da wo es nahe am Nationalpark ist, „Menschen“ mit tristem Blick in ein Achterl schauen.
Dies sind die Untoten, trauernd um ihren Herrn, den Sarich Vlad Tepes.
Nickt ihnen zu, sie werden zurücknicken, aber versucht nicht irgendetwas rund um die Donauauen zu ändern, weil der Vampir schläft nur!
Die Biber sind vorerst auch eher ruhig, laßt´s as einfach, nur schauen, nicht streicheln wollen.
Der Nationalpark unter Martin, na ja, wir sind aber eh grad dabei den Carl zu klonen, haben wir doch eine Haarlocke.
Ich selber steig nie wieder auf ein Kinderrad!
Ps.: Das mit Weihnachten und den Berichten darüber, heuer erspar ich mir das, wiewohl alle Wünsche und so, auch posthum, eh.
Seid´s mir nicht bös, aber ich mach das Inflationäre hier nicht mit.
Jahresbeginn ja, aber da muss ich noch die Graphik fertig machen, also Geduld.