Freibier

Aber natürlich gäb´s viel zu berichten, weil so ein Leben mäandert ja dahin, trägt da was ab und lagert es dort wieder an, führt zuweilen Hochwasser und räumt alles durcheinander.
Beziehungen purzelbaumen in Skurilitäten, Kunden schäumen, weil was man gesagt hat, hat man auch so gemeint, das Auenmanagement macht auf Schilda (der Ort wo die Schildbürger daheim sind), die Schule kollabiert in kunstvoll fabrizierten Problemen, und mit meiner neuen Brille habe ich den absoluten Durchblick ;-)

Viel-Wasser

Hochwasser ist ganz gut so zwischendurch, was mir jetzt die Häuselbauer mit den überfluteten Kellern bitte verzeihen mögen, desgleichen alle anderen Opfer.
Es sagt: „Schau her, so ist das, ich bin die Natur und du ein Teil davon. Wir können miteinander oder gegeneinander, ganz wie du willst (also an sich eh kooperativ). Ich war schon vor dir da und werd´ es nachher auch noch sein. Mach du deine Zivilisation, ich mach das meine, und schauen wir, ob das zusammenpasst.“
Das wär jetzt, wenn es so weitergehen würde, Weltenformelphilosophie, und das wär töricht.

Was haben wir? Wir haben Augenblicke. Wir haben einen Yppenmarkt in Ottakring, was in Wien ist und ein Kleinod (das obere Ende vom Brunnenmarkt). Wir haben Freibier, weil da ein Lokal eröffnet, und wir haben Musik von feinster Güte.

arbeitermusikkapelle

Wir haben die Arbeitermusikkapelle, eine Menge besoffener Ottakringer (Freibier) und haben Leben (nicht jetzt weil da irgendwer besoffen ist, das geht auch „ohne“), ein kleines Miteinander.
Der Taxler redet mit dem Türkenpapa, die Konsulentin mit der Friseuse, die Kinder tanzen miteinander. Es geht, wenn man es will.

arbeitermusikkapelle2

Na ja, ich bin kein Sozialromantiker, das war ein Augenblick und nicht die Welt. „Ausländer raus!“, gerufen von Enkeln/Söhnen/Töchter tschechischer Einwanderer, kroatischer Nachfahren und ungarischen gebliebener Exilanten, etc., klingt noch im Raum und findet Ohren und Empörung.

Wozu?

„Wir“ ist ein schwieriges Wort, nicht nur der Überschwemmung wegen.
AelteresSemester - 5. Jul, 19:27

es ist eigenartig,

dass wir so viel wissen, ohne etwas zu wissen. ich sah hotelburgen, die so dicht am meer gebaut waren, dass fast die fische in die pfannen hüpften, ich sah häuser auf bergen, dass kann auf dauer nicht gut gehen. mit der natur "umzugehen" ist eigentlich nicht so schwer, aber die umsetzung anscheinend schon! allerdings ist das meistens - vermute ich - billiges bauland und wenn man sich das traum vom eigenen haus erfüllen will, nimmt man das im kauf - weil vorher zu wenig informiert und nicht genügend nachgedacht hat.

leider, aber die menschheit wird sich nicht ändern.

lg

Nante - 8. Jul, 15:02

w i r ---- das ist eines merkwürdigsten Wörter, die ich kenne

Wie oft sage ich " wir", wenn ich NUR MICH meine .

Wie oft hört man "wir". wenn der Sprecher gar nicht beim Angesprochenen involviert war oder sein wird.. Dieses WIR hört man vor allem bei Politikerreden .

Wie selten sagen wir "wir", wenn wir uns meinen ... denn in den sprachlosen Momenten des Einsseins reden wir selten.....



Die 1. Person Plural ist also ein schillerndes Personalpronomen.



Aber, wenn ich "wir Wiener" sage, meine ich alle alle Menschen, die in unserer Stadt leben. egal wo sie " gebürtig" sind oder waren.

Gülle, Gülle .. Tschüssi .... Do svidania ......

rosmarin - 12. Jul, 23:43

im übrigen finde ich es heute auch keine schande, ein sozialromantiker zu sein... bisserl träumen wird doch wohl noch erlaubt sein, in all dem effizenzgerenne.... und auch wenn sie kein sozialromantiker sind....so war es doch vortrefflich offenbar, wenn man vom rest absieht.

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Josef Mühlbacher

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