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Herbstzeitlosen

Herbstzeitlosen

Sommer ist ja nun nicht mehr im Programm, quasi „es war einmal“, was aber weiter nicht schlimm ist, denn Herbst ist eigentlich auch kein Bemmerl (das übersetz´ ich jetzt nicht).
Ich mein´, was in drei Monaten auch schon wieder vorbei ist, das wissen wir alle, und es geht schnurstracks auf die Bilanz zu. Wobei, ich will da jetzt keine Panik verbreiten, noch sind wir ja kurzärmelig unterwegs.

„Rent a Ranger“ war erst gestern, weil ein Darwin-Symposium in Grafenwörth wollte Auenaspekte einbinden, und da holt man sich halt die Biberbärbel und mich damit das Hand und Fuß hat (außerdem sollte die Bärbel nicht unkontrolliert auf die Menschheit loslassen ... das war jetzt fies, also ein ;-) hinterhergeschoben).

Die haben da ja das Kraftwerk Altenwörth, also nicht viel Donau sondern Stausee, Auwald ist halt ein Wald am präparierten Fluß, aber immerhin, Reste sind vorhanden und der Darwin, der ja einen runden Geburtstag feiert (excl. USA), findet überall Entsprechung.
Raus also mit den Leuten, und versucht Zusammenhänge darzustellen.

Na ja, ist gar nicht so einfach. Ich mein´, an sich ist es ja schon simpel. Also da formt sich durch geologische Gegebenheiten eine Lebenssituation in der ein paar Lebensformen versuchen, sich irgendwie damit zurechtzufinden; Zeit haben sie ja (also die hatten noch kein Filofax damals und auch jetzt nicht).

Z.B. der Flussuferläufer, der zu Urzeiten der Donau, als die noch andersrum geflossen ist, also nach links in den Rhein, der hatte auch noch keinen Namen, weil das haben dann erst wir erfunden, der denkt sich irgendwann, ja scheiße, das Nesterbauen in den Bäumen ist ziemlich stressig weil da ist schon alles besetzt und aufwendig sowieso, ich leg die Eier einfach in die Steine am Ufer, die sind eh auch rund, sieht ja eh keiner, weil die sprenkel ich mit Steinmuster (das ist nicht belegt, dass der sich das so gedacht hat, aber es ist so geworden, und da sprechen wir jetzt über einen ziemlich großen Zeitrahmen).
Der Flussuferläufer hat sich dann auch irgendwann mit dem Flussregenpfeifer (die waren mal Brüdern und Schwestern) überworfen und sich gedacht (die denken mehr als man glaubt), na so wie der möchte ich nicht mehr ausschauen, also flugs ein paar Korrekturen am Federkleid und Schnabel, und schon sind wir Wir.

Die Donau, der das alles ziemlich wurscht war, hat sich dann, weil Afrika, das sich nach wie vor unter uns schiebt (so schnell wie ein Fingernagel wächst) und uns hebt, entschlossen doch nach rechts zu rinnen und erst einmal so zu bleiben, lagert genug Schotter (95% österreichischer Gewässer mündet irgendwie in die Donau und liefert Steine, zumindest vor den Staumauern) für genügend Möglichkeiten der Nestertarnung des Flussuferläufers.

Kann uns jetzt eigentlich ziemlich egal sein was sich so ein Flussuferläufer denkt, weil mir sind eh die Sapiens, mit +/- 80 Sonnenumrundungen des Planeten an Zeitspanne ausgestattet, da fällt fingernagellangsame Veränderung der Erdkruste genau Null ins Gewicht, tät sich das in den Auswirkungen nicht potenzieren (Potenz von Null wäre nicht viel, aber es ist halt mehr) . Sapiens ist ja was Löbliches (?).

Jengo heißt ein Spiel, ich hab das mit unseren Töchtern sehr gern gespielt, in dem man aus einem Turm jeweils quergeschichteter Holzklötze, unten einen Klotz herauszieht und oben drauflegt. Irgendwann ist die Stabilität perdü und das fällt zusammen, also wenn du das grad bist, hast du verloren.
„Ich hab eh nur“ ist eine Ausrede, sowieso und überhaupt.

Du kannst z.B. die Au als Abenteuerspielplatz nehmen, Survivalersatz indianerspielend heldenhaft, du kannst sie aber auch als Lebensraum sehen, Teil von uns, Teil von Vielem, von dem wir auch nur Teil sind und uns einzufügen haben (gewidmet den Herrn Stone und Steinzeit, zwegen dem Abenteuer Au).

So, erhobener Zeigefinger wieder runtergenommen, weil was soll´s?
Wir nehmen Lebensraum, wir nehmen Beziehungsraum, nehmen Anspruch, wir nehmen Besitz. Ich tu das, du/sie tun das, fast jeder tut das (der Flussuferläufer auch).
Zu welchem Zweck tun wir das?

Na eh geht´s weiter, so oder so. ich denk mir halt, wenn wir nur ein bisserl weniger Pseudo reinbringen würden, also das wär´ doch zumindest ein Anfang für Effizienz.

Herbsteln tut es!



Noen

Dies wiederum ein Beitrag der regionalen Presse, also ich darf auch qualifiziert und beurkundet, Nationalparkranger sagen, praktisch ist sowieso bereits gewesen...

10_boxen_stallone_schwarzenegger_r

... und das Publikum hat applaudiert!
rosmarin - 28. Sep, 20:16

wenn wir ein bisschen weniger Pseudo reinbringen würden....., das würde mir auch gefallen, denn wir wären dem flussuferläufer wieder näher und könnten vielleicht eher verstehen, was der sich so denkt mit den gesprenkelten flusssteinen und wir müssten durch unsere existenz weniger jengo spielen.... aber sie sagen ja schon: was soll's, die fingernagelzeit werden wir nicht ändern wenigstens und glücklicherweise.

Jossele - 28. Sep, 20:34

Na dann tun wir das! Also ich bin dabei.
Na ja, der, der den ersten Stein wirft, da bin ich nicht wirklich geeignet ;-)
intmurr - 28. Sep, 21:38

nicht alle, nicht alle.....

Werter Herr JM, nicht alle, die ihr Tagebuch mit wirklicher Freude am Wort "mitlesen" und die Umstände der Radiererei kennen, sind mit Vorsicht zu genießen! Ich bin seit Jahren ein Bewunderer Ihrer Kunst und habe viele Blätter von Ihnen, eben habe ich einem Buchherausgeber (nicht so einer wie die Emerita Bande) Ihre Strudelhofstiege gezeigt. Schade, daß Sie nur mehr so wenig selbst verlegen, aber ich verstehe es auch bei all diesen Aufregungen, Sie haben auch völlig recht, das neue Blatt wirkt dunkel, depressiv und last but not least ist es zu teuer. Bei der Opaer war wenigstens noch warmes Licht in den Festern. Es grüßt Sie herzlich intmurr, die internationale Katze !

Jossele - 5. Okt, 20:48

Mit Freude lese ich ihre Worte, wiewohl ich den Absender bislang nicht kannte.
steinzeit - 2. Okt, 21:55

mir eine widmung? ich und der auwald? oh gott - nein! da muß wohl ein irrtum vorliegen. ich lese vor puplikum einen text zum thema. sonst nix. und den verfasser respektiere ich sehr. er nimmt die natur sehr ernst. ich selbst habe den auwald seit 1984 nicht mehr betreten.

Jossele - 5. Okt, 20:44

Ich hab ja nur...
Ich habe keinen ersten Stein zu werfen, und ganz gewiß nicht auf dich!
Stones Darstellungen der Auenerfahrungen liegen den meinen ziemlich diametral entgegen.
"Ich bin ein Held" und "Es ist eine Au".
84 war ich auch dabei, Lager 5 als Kurier, Alternative Liste.

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Josef Mühlbacher

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