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Auenland

Samstag, 10. Oktober 2009

So halt was mit die Rangers und so

Waren grad noch Sonnentage.

Sumpfschildkroeten

So alle zwei Jahre treffen sich die Ranger aus dem ganzen Land und tagen, wobei, nachdem´s diesmal in Thayatal stattgefunden hat waren auch die tschechischen KollegInnen mit dabei, weil Podyjí ist ja mit Thayatal zusammen. In der Natur hat´s ja keine Grenzen und Nationalpark ist sowieso eine Heimat.

Also treffen sich ein paar hundert Menschen mit einer annähernd gleichen Idee, von den Hohen Tauern bis rauf zum Riesengebirge, und tagen.
Wobei, das Tagen ist eine schickliche Sache. Ich mein´, erst einmal halt so das Offizielle, natürlich in Powerpoint, wer und was, Wildkatzenwiederansiedelung, Renaturierung (was ein seltsames Wort ist für Wiedergeburtshilfe), Aussichten, Einsichten und jede Menge Prominenz (na war ich doch auch da!).
Danach Völlerei im kulinarischen Sektor, weil Tagen heißt nicht zuletzt Essen und Trinken.

Nun soll dem Ranger ja auch etwas an Weiterbildung auf den Weg mitgegeben werden, und zu diesem Zweck wird ihm (ich entschuldige mich für die Genderverfehlung) ein Seminar angedeihlich gemacht.

„Die Körpersprache der Erfolgreichen“, wie schon der Titel vermuten lässt, so ein Schas!
Na ja, Inhalt wäre ja möglich gewesen, hätte sich daran nicht ein NLP-Jünger versucht, so ein Politikergrinsenverursacher mit dem Bestreben den Mittermeier zu imitieren.
Ein, zwei gute Ansätze und dann Kronenzeitungsniveau.
So nach der Art wie, Männer denken hundert mal am Tag an Sex (Frauen auch!), paßt´s auf was ihr signalisiert. Daumen nach oben sichtbar, Hände in die Hosentaschen (oder noch schlimmer am Gürtel), mit dem Kugelschreiber spielen oder Hände verschränken (vergrößert den Brustumfang und zeigt Testosteronpräsenz).
Frauen sollten es unterlassen mit der Halskette zu spielen oder sich die Haare zurückzustreichen, weil das ist Aufforderung zu Kopulation (Ich Depp hab tausende einschlägige Offerte nicht mitbekommen).
Handgeben – ganz gefährlich, da bist du schnell einmal zuviel oder zuwenig dominant.
Na ja, Hauptsache ist, du lächelst.

Ich-bin

No ja, Kopf ist nicht unbedingt ein Muß.

Ich sag ja nicht, dass Körpersprache keine Sprache ist, verehre ich doch Sammy Molcho, aber so mit der Holzfällererklärung hat das wenig zu tun, und gewollt eingesetzt ist das meist ein Kopf ohne Beine am Boden.

Dann war Transport in die Quartiere, was ein Kloster war, über dem Eingang ein Schild „Schweigen und Fasten“, na super (war aber eh nicht so schlimm), Waldviertel.
Gleich wieder in den Bus zum Dinner, weil, genau, Tagung heißt essen.
Blah, blah, wir danken diesem und jenem, der Minister lässt sich entschuldigen (alles in Deutsch und Tschechisch), derweil das Auge das Buffet sondiert.

Ich gebe zu, die Wahl des Tisches nahe an der Quelle war nicht ganz unbeabsichtigt, da sind die Donauauen Profis. Das Überlesen in der Speisekarte da wo „oder“ statt “und“ gestanden ist bei den Gerichten, das war ein Versehen, ehrlich, aber es war zu schaffen.
Dass da nachher auch nur ein Eisbecher für jeden gedacht war, also auf die Idee musst du erst einmal kommen!

Disco hätt´s dann noch gegeben, aber bei „Hossa, hossa Mexicana...“ , na ja, ist nicht so mein´s, dann lieber ein Pfeifchen in einem schweigenden Klostergarten.

Nächster Tag.

Apropos nächster Tag, also da ist ja meist eine Teilnacht davor, also die haben mich mit dem „Rosi“ in ein Zimmer gelegt, weil wir sind die „Schnarcher“, und irgendwie sind die Zimmer rechts und links von uns ungebucht geblieben, war aber nicht schlimm, ich bin als erster eingeschlafen. ;-)

Also nächster Tag, Exkursionen im ganzen Nationalpark, viel Volk unterwegs. Jetzt kenn ich den ja schon ganz gut, weil seinerzeit war ich da als Nationalparkmaler unterwegs, und da musst du dir schon ein Bild machen um Bilder zu machen.

Ein Angebot war Heidewanderung im tschechischen Teil, weil die haben da eine tadellose Heide, was eines der verschwindend wenigen Vorzüge einer Geländeabriegelung ehemaliger Blöcke war, also nimmst du das wahr, zusammen mit ein paar Neusiedlersee, Tauern, Gesäuse, Kalkalpen und Donauauen (so sagst du, wenn du dir die Namen nicht merkst, jeder Arzt tut das auch, da bist du schnell einmal ein Blinddarm).

Heide

Du marschierst los, hast da erst einmal einen Kraftpunkt, weil da ist ein heiliger Stein und eine Kirchenruine, also wedelst du mit einer Wünschelrute herum (Bin ich nach wie vor skeptisch, aber der Draht bewegt sich, warum auch immer. Alles muss man nicht wissen, manches ist einfach. Dass sich einfacher Draht richtig dreht kommt auch nicht oft vor, und ich hab´s ein paar mal probiert, es ist immer nur an einem Punkt gewesen, der war nicht markiert und nichts. Ich bin kein Katholik, kein Esotheriker und kein Druide!).
Der Kchrischtiane (Schüdtichrol), Lebensretterin meiner Tage als Rettungsschwimmeraspirant und liebenswerte Kolleginnenfreundin ging´s nicht viel anders.

Christiane

Na ja, wie auch immer, über eine bemerkenswete Heidelandschaft, weil da zeiht sich ein Band von Znaim bis hinunter zu den Hundsheimer Bergen.
War so, ist so, eiserner Vorhang sekundär, wovon wir einiges lernen könnten, zusammenhängend, voneinander partizipierend, ging´s , also jetzt wieder die Ranger, danach in die böhmische Rest- und Wiederbesiedelung.
Ich hab ja sekundär auch Wurzeln „da drüben“, das wurde allerdings höherenorts abgekappt, ziemlich abrupt. Was bleibt ist oft Wegsein.

Tschechien

Warum wer irgendwann angefangen hat Grenzen zu ziehen, also echt, das war eine entbehrliche Idee.

Weil warum schreib ich das?
Der Mann an sich, der brummelt nur vor sich hin, sagt nix und will nur irgendwie zu seiner Kopulation kommen, laut „wissenschaftlicher“ Erkenntnis, Beziehung ist ihm so was von wurscht, Zusammenhänge ebenso. Mann will nur das Eine.
Ökologie, die Geschichte der Sudetendeutschen- Österreicher, Einsatz für Nationalparkideen (excl. der kulinarischen Begleiterscheinungen, weil das mit dem Buffet , na ja, da haben mir vielleicht ein Äuzerl das Holozän heraushängen lassen), alles nur lendengelenkt?
Geh bitte, allein die Anzahl meiner Worte spricht schon dagegen.

Montag, 31. August 2009

Zwischendurch

Abfahrt

Was nicht sein darf ist nicht, also folgt Fiktion.
„Josef, traust du dir XY zu? Ja eh... also morgen um dreiviertel Neun.“

Also vier Schlauchboote von der Salztorbrücke weg (Salztorbrücke ist Donaukanal, sozusagen ziemlich Wien Innenstadt) Weiterbildung für Pädagogen „Natur erleben“, und das haben sie.
Also Donaukanal ist ja jetzt nicht wirklich so was wie Natur, Wienflusseinmündung sogar ziemliche Kloake, aber jeder Meter weiter ändert das Bild und wir gleiten von Großstadt zu Grünlandschaft. Ist ja auch keine klare Grenze, der erste Biber war im 2. Bezirk. Von Prunkbauten über Zinskasernen zu Häuschen, Fischerhütten (die Obdachlosenbaracken hat das letzte Hochwasser razeputz weggeräumt), einem Ausflugslokal am Wasser hin zu Mutter Donau und Grün.

Also paddelt mein Boot wacker gen offene Donau. No ja, was halt so wacker ist, weil hab einmal fünf Pädagogen am Boot, also Lehrer und so, da sind immer ein paar dabei die den Chef raushängen lassen müssen, nicht bös, aber das haben die einfach in den Lehrergenen.
Da kannst du hundertmal sagen, „Bitte, Basisdemokratie ist was Gutes, aber nicht auf einem Boot. Hier sitz ich hinten und sag was zu tun ist, und ICH steuere!“ Na ja, und dann hören sie irgendwann plötzlich auf oder fangen einfach an zu paddeln, steuern mit, einer nach links einer nach rechts, weil jeder der schon mal Ruderboot auf der alten Donau gefahren ist, fühlst sich wie ein Admiral. Geht aber nicht wenn du die alle mit heiler Haut noch vor dem herannahendem Schiff ans Ufer bringen willst, weil mit dem Twincity ist nicht zu spaßen.
Und ich sage euch, es ist ein herrliches Gefühl, so einer Lehrerschaft dreinzubrüllen „Und aus!!! Jetzt alle auf mein Kommando, und zieht, und zieht ...“ Geht ja eh.

Ja also raus auf die Donau und das Schweißtreibende mit Geschichten versüßt, na ja, Paddeln muss der Gast halt selber, und wohlverdiente Rast am Ufer. Boote raus und selber rein ins Wasser, weil sonst kollabieren die mir noch, und es soll noch bis Orth gehen.
Bisserl was über die Lobau und „Pepi Prohaska, Prophet“, weil die Lobau war ja mal wild besiedelt von der Groß- oder Urgroßelterngeneration (je nachdem wie alt jemand grad ist), und weiter stromabwärts, vorbei an den Urwäldern.

Weil ich grad sag Urwälder, wo sind die wohl? Machen wir uns nichts vor, wir sind in Mitteleuropa, da ist fast jeder Meter Kulturland, oder ist es irgendwann gewesen, und wo halt viel Gebüsch ist, Lianen und Brennnesseln, das ist noch lang kein Urwald.
Also verrate ich es euch, es sind die Inseln. Und genau deshalb soll da, bis auf ein paar Ausnahmen, niemand drauf herumzigeunern, auch nicht wenn man eh nur..., wegen dem Abenteuer, und der Hund ist eh brav.
Ist ja nicht, weil man da ein paar Pflanzen umknickt, sowas wär nicht schlimm, aber da leben halt, menschenbefreit, auch noch ein paar Tiere in Rückzugsbebieten, und da ist schnell einmal, ganz ohne böse Absicht, viel kaputt gemacht, selbst durch unerwünschte Nähe, weil so ein Gelege wird bald verlassen wenn es zu unruhig wird (wobei, das sind nachgebildete Eier aus Fimo, vom Martin bemalt!)

Flussuferlaeufereier

Rehbein

Auf einer „simplen“ Schotterbank liegen Leben und Tod nebeneinander in Eintracht. Das ist kein Haufen Steine, da sind, allzu oft unbemerkt, ganze Kosmen im Entstehen (na das war jetzt ein bisserl sehr pathetisch Herr Jossele). Na ja, weil´s wahr ist.

Also weiter mit den Lehrers, die da schon unruhig herumzappeln, weil Tatendrang.
Also ein wenig Gepaddle und schon sind sie wieder streichfähig (Hab ich schon erwähnt, dass es Spaß macht, Lehrer herumzukommandieren?)(Na ja, ich hab´s eh nicht übertrieben.)
Nächster Halt war wieder erst einmal rein ins Wasser und danach der wilde Wein (also die Pflanze), Muscheln, Primärvegetation, Geologie, Geschichte, Mensch und Natur...
Geht ja eh nicht zu viel, weil wenn´s heiß ist..., und dann haben die ja auch schon alle Red Bull Doserln ausgetrunken gehabt, quasi Energieverfall, nix mehr mit Flügerln.

Rosi
Manfred referiert enthusiasmiert über die Fortbewegung der Flußmuschel, wobei, dem Rosenberger kannst du stundenlang zuhören, der hat was.

Zugegeben, sieben Stunden sind lang, und dann darf man sich schon nach einem Bier sehnen mit jedem Muskel und Knochen den man schon so lang nicht mehr gespürt hat und das jetzt vehement tut (Wobei, das Sehnen ist ja mehr der Kopf, der Restcorpus gibt halt nachdrücklich Signal).
In Orth sind dann eh lauter Heldinnen und Helden an Land gegangen. Vielleicht waren sie ein klitzekleines Quentchen anders als vorher, ich denke schon, und vielleicht hält das ein paar Tage an.

Wie gesagt, Fiktion, weil ich bin ja für die offene Donau als Bootsführer noch nicht frei gegeben.

Montag, 24. August 2009

Sommer-Au

Nickerchen

Manchmal sind so Tage, da flirrt die Luft vor Hitze und kaum ein Lüfterl bewegt sich.
Manchmal, da geht um die Mittagszeit selbst die Uhr langsamer, und aus Tick, Tack wird Dig, Dag.

An so einem Tag war wieder einmal Auenland, weil der junge Springinsfeld von Frischranger braucht ja noch Assistenzstunden auf der offenen Donau (bislang bin ich ja selbständig nur für Seitenarme zugelassen). No hat sich ergeben, dass da eine Firma ihren Betriebsausflug mit einer Schlauchboottour begehen wollte und da noch ein Plätzchen frei war. Also ruft mich der getreue Altranger Martin Weixelbraun an, der wiederum statt der Bärbel, die ja in Timbuktu das Rangerego streichelt..., und schon bin ich zur Stelle, Steuermannassistenz.
Also das übliche Prozedere, Boote holen, nach Schönau bringen und dann die Autorochade mit Abfahrts und Ausgangspunkt, usw.

Drei Boote, siebzehn Leut, also teilt euch bitte in drei Gruppen. Zwei Boote bumsvoll und unseres, wo halt auch der Firmenchef drauf war, sehr schütter besetzt, weil da ist Hemmung wenn man bloßhappert neben dem Boss paddeln soll (wobei, er ja auch). Firma heißt auch, andauernd bimmelt irgendein Handy, aber, Hut ab, niemand hat abgehoben weil ganz dringend irgendwas!

Wasserstand dürftig, zumindest in den Seitenarmen, was da heißt, über Untiefen aussteigen und tragen, was an sich sehr willkommen, da das Wasser doch ein zwei Grad kühler als ein heißer Spätsommertag ist. Wär an sich ideal für den Flussuferläufer jetzt, der da auf Schotterbänken brütet, aber leider zu spät. Wie er wollte war dauernd Hochwasser und Regen, und jetzt will er nicht mehr, weil der denkt schon an den baldigen Abflug (fliegt ja auch nicht mit SkyEurope).

Gemütlicher Vortrag über dies und jenes, „Nein, der Biber frisst keine Fische!“ (Bitte das ist ein Nagetier, also Pflanzen!), So bisserl was über die Donau damals und jetzt, Inselbildungen und Besiedelung durch Fauna und Flora, Fische und Ökosystem, etc. Nur nicht zuviel, weil sonst laberst du die Leute nieder. Die fragen eh auch dies und das. (Einen Kollegen ham wir ja, der fängt an zu reden sobald er der Leute habhaft wird und hört erst wieder auf wenn sie in ihre Autos einsteigen. Blitzgescheiter Bursche, da gibt’s nix, aber halt kein Gespür, war aber eh auf einem anderen Boot).

Und bitte, keine Gelsen mehr, weil die sind ausgetrocknet, grad ein paar Libellen, weil die mögen so heiße Tage, und ein paar Bremsen. Graureiher, Kormorane, Flussuferläufer, vom Biber halt nur Spuren, weil der hat Siesta.
Und noch was, weil an sich hab ich da früher gar nicht so darauf geachtet, die Vögel singen nicht mehr. Na ja, sagt ihr, ist eh klar, wozu noch viel singen, Paarung ist passé, und recht habt ihr. Also da ist es jetzt ziemlich still da draußen.
Was jetzt noch ein Sommer ist, der neigt sich merklich zu einem Ende hin oder bereitet sich darauf vor. Es riecht nach Vollendung und Ruhe.
No in ein paar Wochen fängt der Hirsch an zu röhren, also wir haben ja eh nicht nur einen, die fangen alle an, weil wenn erst einmal einer ..., das wird ein Wirbel (und den Jägersmann juckts im Abzugsfinger, aber der darf da nicht, hä, hä, hä, na gut, einen Tag darf er, aber dann ist Schluß).

Den Leuten hat´s gefallen und ich hab das Martin-Boot ohne Verluste ans Ziel gebracht.
Schauen mir einmal wie´s weitergeht, weil so ab September fängt die Saison ja wieder an, und da sollten doch wieder ein paar eigene Touren drin sein.

Ja über Radierwerkstatt vorerst nix, weil da stehe ich kurz vor einem Amoklauf. Also wenn ihr in den Gazetten lest, "In Maria Anzbach wurden grundlos Leute mit Pudding beworfen, das war dann ich, und es war nicht grundlos.

"Die Leute greifen nach immer mehr
und begreifen immer weniger."

gelesen bei: http://kotopulo.twoday.net/

Mittwoch, 17. Juni 2009

Zwergengeschichten

Na servas, das junge Schulvolk strömt nur so ins Auenland, weil was macht man mit den Kindern wenn sich ein Schuljahr gen Ende neigt, - eben, Ausflug oder halt Lehrausgang.

Montag hatte ich ein paar Bootsladungen voll mit Knirpsen, teilweise erste Klasse Volksschule, so mit Ärmchen wie Bleistifte und winzig an Statur (so sie nicht zu kleinen Fastfoodkugerln mutiert sind, die alle Fernsehsendungen kennen).
Na da versuch einmal so ein Schlauchboot irgendwie vorwärts zu bekommen, leicht ist das nicht. Zuerst musst du einmal höllisch aufpassen dass dir keiner reinplumpst (haben eh alle monströse Schwimmwesten an), weil mit so einem Paddel kannst du dich schnell einmal verwickeln wenn du rechts und links und oben und unten was zu schauen hast. Biberspuren am Ufer, Reiher in der Luft, ein Rascheln im Unterholz, Spechthöhlen in den alten Bäumen. „Gibt es da Schlangen?“, ja gibt es, hauptsächlich Ringelnattern, die sind auch nicht giftig, die fürchten sich auch vor kleinen Menschen, weil für die seid ihr riesengroß, die wollen nur kleine Fische und kleine Frösche essen und sich schnell verstecken wenn ein Boot voller HeldInnen daherkommt. „Gibt es da auch Krokodile und Haie?“, nein, die gibt es nur im Tiergarten oder im Haus des Meeres und in ganz fernen Ländern. Nein, Löwen gibt es auch nicht in der Au!
Merkwürdige Weltbilder geistern da herum, Drachen, Bionicles, Ringelnattern und liebe Pandabärenbabys, alles vor der Haustür wo die Welt beginnt.

Von den Monstern, die am Grund des Wassers lauern um sich hin und wieder einen Menschen vom Boot holen hab ich erst gar nichts erzählt, weil da haben wir Schweigepflicht.

Dann noch kreuz und quer, für jeden ein Biberstöckchen (so abgenagte Hölzer) aus dem Wasser gefischt, halbwegs gleich groß, damit eine Gerechtigkeit ist, weil man will ja auch eine Trophäe mit nach Hause bringen.

Biber

Nachher irgendwie zurück paddeln. Pfu, das geht ganz schön rein. Ich meine, so Zwergerln sind ja redlich bemüht, das Paddel halbwegs ins Wasser zu tunken, aber ich hätt schon gern noch zwei stärkere Arme am Boot gehabt.
Nix ist passiert, der Onkel Josef hat alle wieder heil beim Bus abgeliefert, jedes mit einem Bibersteckerl. Entsinne ich mich doch noch, als unsere Kinder sehr viel jünger waren, ein Steckerl oder mindestens ein Stein wurde immer heim geschleppt.

Freitag Petronell, Montag wieder Orth, die Schulen spucken Unmengen an Kindern hinaus ins Grün, und gut so, weil für manche ist das fremd, man sollte es nicht glauben.

Vorher aber noch hurtig an Kupferplatten gearbeitet hier im Souterrain, multiple Persönlichkeit, was soll man machen.

Ps.: Gestern war Bloomsday, haben eh alle ein Stück parfümierte Seife eingesteckt gehabt?

Dienstag, 9. Juni 2009

Der Tag danach

So, jetzt könnt ihr Ranger zu mir sagen.
Gestern war die Prüfungsexkursion, und die hab ich, zwar mir ein bisserl weichen Knien und einem Frosch im Hals, geschafft. No na, könnte man sagen, aber Prüfung ist halt immer so eine Sache. Wenn dir dann die Obrigkeit noch vorher sagt, sei locker nur kein Stress, und sich dann laufend auf einem Klemmbrettchen Notizen macht wenn du etwas sagst, na ja, Normalzustand ist anders.
Die halbwegs präzise Vorbereitung geht gleich einmal baden, weil irgendetwas kommt bald dazwischen, ganz abgesehen davon, dass du gleich einmal die Hälfte vergisst. Da eine Frage, dort eine Frage und wir befinden uns schon in der Improvisation, den roten Faden irgendwo gelegentlich wiederfindend. Dem zivilen Publikum hat´s gemundet, die Chefität war kritisch, na eh klar. Dies und Das kann man besser machen, anders formulieren ... wer kann das nicht?

Pruefung2

Weit sind wir ja nicht gekommen, grad bis kurz nach den Inseln, die Wiesen und der Biberbau an der Bihn war nicht mehr möglich. Schad, das wär als Highlight noch zum Abschluß geplant, was soll man machen, die Zeit vergeht im Fluge wenn da so viel zu sehen ist. Die Tierwelt war versteckt. Und wär nicht eine Schnirkelschnecke über den Weg gehuscht, gefolgt von einem Baumschneck, es wäre zoologisch ziemlich dünn geworden.
Sonst sitzt oder fliegt da immer ein Graureiher oder ein Kormoran, nicht wenn ich sie einmal brauche. So sind die.
Na ja, dann halt Donau und Geschichte, Inselbildung und Besiedlung durch die Pflanzenwelt, die weiche und die harte Au, warum wo was wächst und das Totholz und, und, und.
Es ist geschafft, das ist jetzt erst mal schön.

Pruefung

Bin ich ja auch bei einigen KollegInnen zur Prüfung mitgegangen, weil erstens braucht man Publikum als FührerIn und zweitens, ein Sofleur ist manchmal nützlich. So viele Menschen, so viele Arten gibt’s, den selben Weg zu gehen, es ist erstaunlich.
Und noch was war verwunderlich, denen man es vielleicht nicht zugetraut hätte, die haben brilliert, und ein „Star“ ist gestrauchelt, c´est la vie.
In jedem Menschen sind Schätze verborgen, und manchmal werden sie halt erst sichtbar wenn´s soweit ist. Ein anderer, der meint, ich bin sowieso ein Glanzstück, der stolpert und fällt hin, weil heute nicht sein Tag ist und Einiges sich nicht zusammenfügt.
Man lernt aus Allem, so man dies will und zulässt, ein Ende ist erst nach dem letzten Wimpernschlag. Nichts ist gering, nichts selbstverständlich.

Na ja, den Kopf noch voll mit Auenland und Reminiszenzen, jetzt wartet schon die Radierwerkstatt.

Sonntag, 17. Mai 2009

Der mit den Gelsen tanzt

Auenlandbildungswochenende wieder, was wohltuender Szenenwechsel nach Künstlerquerelen und Schulbetrieb darstellt.
Ich meine, geht schon ordentlich zur Sache mit Fakten und dies und das wo man stundenlang zuhören könnte, aber wer dermerkt sich das? Nach vier Stunden bist du voll, dann kommt aber noch die fünfte, sechste, siebente Stunde (bisweilen auch noch die achte), weil du wirst nie fertig mit Schauen.

Du gehst da mit der Restgruppe Auszubildender (irgendwie werden es immer weniger) und einem spezifisch Kundigen als Lehrkörper (seltsamer Begriff!), was dies Wochenende Botanik im weitesten Sinn war, weil ein Käferchen nebst Schmetterling und Raupe lässt man nicht so links liegen, derweil die Gelsen jauchzen voller Glück.

Jetzt kannst du natürlich einfach durch einen schönen Wald gehen, und da sind Bäume, Sträucher und so Kraut und Blümchen, und es genügt, daran gibt’s nichts zu meckern.
Wenn du aber Interesse hast, dann gibt´s kein Weiterkommen, oder halt kaum, weil dies Kräutlein sagt dir was über den Boden, wie der geworden ist und auch warum. Da kämpfen Spezies um Licht mit ausgefinkelten Methoden, koalieren mit Insekten und zeigen Ellenbogen. Da werden Könige dahingerafft durch unscheinbare Nebensächlichkeiten , wie da die Ulmen durch den Ulmensplintkäfer der einen Pilz verbreitet und der kriecht in die leitenden Gefäße, was Mortus hat zur Folge.

Ulmenblaetter

Die Blätter kennt´s ihr eh sicher alle, weil so was von asymetrisch ist sonst nichts, also Flatterulme und Feldulme (letztere kommt bei dem Drama ein bisserl besser davon).

Dann gehst du weiter ein paar Schritte, die rosa Schnirkelschnecke lächelt still auf einem Schilfblatt, darunter schlängelt sich die Ringelnatter flink in eine feuchte Kuhle, und schon ist wieder Schauen, weil wenn du still bist merkst du auch den Schwarzspecht (die Jungen hast du eh gehört, das lässt sich ja nicht wegblenden) der da in ein Loch in einer alten Eiche schlüpft, während der Grünfrosch vor dir flieht.

Als Maler ist meines Vaters Sohn gewohnt zu Schauen, die Dinge wahrzunehmen wie sie sind (mit der Benennung hapert´s, lateinisch sowieso, da frag ich den Norbert oder den Martin, die wissen das, Chapeau!), allein die Vielfalt haut mich um. Da ist nicht nur Licht und Schatten, Form, Farbe und veränderliche Erscheinungsform, da ist auch noch Geschichte und Verbindung miteinander und noch zu einem Ganzen.

Ein Stückchen Land, da mitten unter uns, das kannst du auf viele Arten sehen. Du kannst, wie es ein lieber Bekannter tut, mit Kanu und Survival erfahren, einfach spazieren geh´n an einem lauen Sonntagnachmittag, kannst händeringend jammern, so du der verpassten wirtschaftlichen Nutzung nachtrauerst, kannst ein Ganzes sehen in dem wir Teil sind, oder du kannst auch gar nichts daran finden. Ein Jeglicher nach seinem Plaisier.

Ein winzigkleiner Streifen Land, und doch so viel.

Als Zugabe noch ein Foto von einer Spechtschmiede, also wo sich ein Schwarzspecht ein paar Schwarznüsse zum Aufpecken in eine Borke geklemmt hat.

Spechtschmiede

Montag, 11. Mai 2009

diverse Zustände

Muttertag vorbei, habt´s alle ein schönes Gedichterl aufg´sagt, ja? Lauwarmen Kaffee für die Mutti, den Gugelhupf vom Anker und der gefladerte Flieder aus dem Park nebst irgendwas Selbstgebasteltem. Alle Jahre wieder.
Na ja, irgendwie ist man aus dem Alter raus, und Mutter wär grad noch ein Thema für eine Psychotherapie (klingt jetzt ganz bös, hat aber eine Geschichte).

Ich warte, wie so oft, auf einen Künstler, Radierung zu vollenden, aber der schläft noch, obschon es an der Zeit wäre. Was soll´s, dann halt wieder Nachtschicht mit der goldenen Ammer.

Bleibt also Zeit, von bemerkenswerten Ausbildungsdetails seitens der Auenrangerei zu berichten, weil Wochenende ist Auenzeit. Einführung Schlossinsel, was da so quasi eine Schauau im kleinen ist, Sumpfschildkrötenteich, Unterwasserschauteich (Schautafeln von Mühlbacher und Weixelbraun!), Spurenstation, Zieselgehege, Verwesungsstation, Schlangengrube (da musst du bei der Äskulapnatter aufpassen wenn du sie herzeigst, die möchte gern mal beißen)(Apropos Schlangen, Gratiskronenzeitung gestern, Bild von einem Menschen der eine Würfelnatter hält, so macht man das nicht! Der hält sie am Schwanz. Bitte nicht nachmachen!) und vieles mehr.
Dann noch Einführung Nationalparkausstellung Schloß Orth, hat der Rosenberger gemacht, na servas. Ein Ranger der ersten Stunde, heldenhafter Aubesetzer in den Jahren (na was soll ich dann sagen?), wandelndes Geschichtslexikon und Mensch mit Schmäh und Rückrat.
Aber, es hat ja meist ein Aber wenn sich was gut anhört, die dunkle Seite der Macht hat Besitz von ihm ergriffen.
Weil warum? Ein Teil dieser Ausstellung ist eine große Luftbildaufnahme von Wien bis Bratislava, also Donauauen mit Nebenher, da kann man drauf, allerdings nur mit Filzpatscherln, herumgehen und schauen und erklären. Er tut´s, und tut´s mit Hingabe, was war, was ist und all das Drumherum. Die SchülerInnen lauschen.
Dann kommt das mit dem Eisstoß, weil darum wurde ja die Donau, unter anderem, auch reguliert, also damit das Folgende hintan gehalten wird.
Ab einer Summe Minusgraden gefriert der Fluß, der langsam fließt, und schiebt Eisschollen zu Haufen.
Beim Frieren bleibt es nicht, es taut und schiebt bis irgendwann das Ganze bricht und Bahn nimmt, Wasser, Eis und viel Gewalt. So war das seinerzeit in unserer Geschichte.
Ein Dorf war da gleich wegradiert, mit Mensch und Vieh und Häusern, Der Sensenmann -frau hält reiche Ernte. So war das 1830.
Und jetzt das Aber, weil solches vorgetragen ist ja eigentlich ein herzergreifend Drama, mitnichten wenn´s der Rosenberger tut. Ich sag jetzt nichts und stell nur ein paar Bilder rein, weil Mensch, das ist ein weites Land.

Eisstoss2

Eisstoss1

Eisstoss3

Ja, mehr ist nicht zu sagen.

Nachtrag Radierwerkstatt. Der Künstler kam, vier Stunden später, "Josef mach du das". Dafür hätt´s das Warten nicht gebraucht. Wird eine Original Farbradierung von XY. Cyrano, wie weiland Martin sagt, wird werken, weil mit den goldenen Schnörkseln, da hab ich eine Idee.

Montag, 4. Mai 2009

Weiter geht´s

Ein bisserl dicht ist jetzt das schon gewesen muss ich sagen, also die letzten Tage, und schon wieder Auenland.

Freitag Boot, weil das Dings mit Links und Rechts (ja, weiß ich eh, der Nautiker rümpft die Nase weil Backbord und Steuerbord, aber man will ja nicht alle Geheimnisse verraten), Ziehschlag, Drücken, Wenden, unter umgestürzten Baumriesen durch und leise weil sonst ist die Fauna weg. Üben, Üben, Kapitän darf keine Blößen haben, es sei denn er zieht sich das Hemd aus, was aber in meinem Fall nur für die Gelsen ein leckerer Anblick wäre.
Paddeln in kleinem Kreis (nicht jetzt geographisch, wir sind schon vom Fleck gekommen), ganz locker Bubenboot und Mäderlboot, wobei die Mäderln frauenpowermäßig da unbedingt den einen Ast absägen mussten damit man weiterkommt. Also, Frauen voran!

Samstag mit Barbara als Praktikanen bei Bieberbärbels „Sex im Tierreich-Tour“ mitgegangen, weil man kann immer noch was lernen, so oder so, wobei, das meiste ist zur Nachahmung nicht zu empfehlen, doch mehr wird nicht verraten (na ja, vielleicht ein bisserl Neid, weil Biber hat ein Knöchelchen da wo wir Y-chromosomigen Hominiden Blut in Schwellgefäße pumpen müssen, sowas ist einfach ungerecht!)
Beruhigend in all der Erregung war, die Altranger kochen auch nur mit Wasser was Führungen betrifft.

Sonntag Didaktik wieder und Vorbereitung für den Montag. Weil warum?
Es wurden drei und drei von uns zusammengelost um ein Konzept für eine Themenführung für Schulklassen zu entwickeln um das tags drauf dann umzusetzen.
Klingt einfach, ha. Ich war mit Barbara und Norbert ausgelost (Schnapskarten-Bube, die 1B Hauptschule Orth, vier Klassen waren´s insgesammt), Aufgabe von A bis Z alles selbst zu organisieren und auszuführen.
Da sitzt du erst mal eine Weile und tüftelst rum. Titel haben wir „Stamm des Lebens“ Botschaft „Leichenschmaus“ ersonnen, das Wunder vor der Haustür, so quasi Werden, Vergehen und wieder etwas Werden am Beispiel Baum und drum herum.
Erst einmal hundert Zettel vollgeschrieben mit Entwürfen, Plan A, Plan B, Konzept. Hinaus den Weg gesucht und interessante Orte, im Auenland gebettet und von solchem kündend, weil wir sind ja nicht irgendwo. Zeitplan und dies und das bereitet, geteilt in du und ich tun das und dies, schon war es Abend.
Nach kurzem Schlaf frühmorgens Montag abgeholt die Klasse, Vorstellung und hinein ins Abenteuer. Halt hier, Halt da, den Kreislauf angerissen im Auenland, blind geführt Bäume ertasten, Wiederfinden sehend, Blätter gesammelt (Kinder sind treffliche Jäger und Sammler!), dazwischen dies und das bestaunt, dann Blätterdomino und Pause, weil weniger ist mehr an Botschaft. Danach das mit Benennen und Wettlauf hin zum Ahorn-, Esche- Haselblatt und all den andren (war nur ein blutiges Knie zu beklagen) und ab zum Totholtz welches ziemlich lebend ist und nützlich. Käfer, Spinnen, Milben (was ja auch eine Spinne ist) Ameisen gesammelt und hinein in die Becherlupe, und Ah und Oh, was habt´s ihr, schau her wir haben dies... , dann noch da drüben an dem Baum die Löcher von Roßameise, Wurm, Holzbiene und Specht als Mahl und Wohnung (leider keine Maikäfersichtung, weil Eiche war da kaum). Hinüber noch zur „Insel“ (das ist so ein Schaugebiet mit Sumpfschildkrötengehege und Unterwasserschauraum eines Teiches (Schautafeln Mühlbacher und Weixelbraun!), und vielem mehr, wie auch ein Tierkadaver in Verwesung (das gehört zum Leben!). Also da Holz geortet, drauf zu sitzen, wärmend sich, und sich drunter zu verbergen, als Ansitz für die Jagd (Eisvogel ham wir ja als Jahresvogel heuer).
Dann rauf noch in den Schlossturm, weil da sitzt der Storch (mit Kamera beäugt) und hat drei Junge, das Nest aus? Na eben, Holz.
Das war´s, und es war genug, das Eis danach war wohlverdient für alle.

Danach Besprechung Feedback mit allen anderen Gruppen, muß sein weil ist ja Bildung.
Fazit, war eh ganz gut, was sag ich, wir war´n epochal! Im Ganzen gab´s nur zwei Wasserleichen (na sind halt reingefallen, so was passiert), einen ausgefallenen Zahn und unser blutiges Knie, aber sonst keine nennenswerte Verluste auf Schülerseite.
Bei uns hat einer das Handtuch geworfen und ist ausgestiegen, ist schad weil, abgeseh´n von Zeitenknäuel und gruppendynamisch Finden, wird immer mehr draus, mehr an Wir.

Jetzt bin ich müd und hör den Anrufbeantworter der Werkstatt (weil jetzt ist wieder Sprung zu Radierwerkstatt, da sitz ich grad) erst morgen ab, da kommt die nächste Chaostheorie, erst aber schnaufen, Pfeife, Heim und Mary meine liebe Gefährtin.

Nochwas, dass ich das nicht vergeß´, ich kurv´ da ja schon fast täglich durch´s Marchfeld, quasi Spargelland. Lila Spargel, in Olivenöl angebraten (nicht schälen vorher!), Salz, Pfeffer, Schnittlauch drauf, vielleicht ein Spritzer Sojasauce, eine Gaumenweide!!!

Morgensonne

Ist jetzt grad nicht ein Aubild, aber halt sowas wie Aufbruch weil es Morgensonne heißt, ist Mezzotinto (Graphik, handgemacht), also kein Photo.
Aufbruch ist immer und an jedem Punkt des Kreises.

Dienstag, 28. April 2009

Von Himbeersaft und Schnitzel mit Pomfritt

Weil was tut man nicht alles um sich auf eine hinkünftige Praxis vorzubereiten, namentlich wenn das Vorhaben ist, sich dereinst als schmucker Ranger im Auenland hervorzutun.
Dies ist es, man marschiert als Aspirant bei Exkursionen mit, wie meines Vaters Sohn gestern mit dieser zweiten Gymnasiumsschulklasse bei Petronell, weil Praxis kommt mit Tun.

Da kannst du gleich einmal ziemlich viel an Theorie einpacken, weil wenn die strebsame Jugend erst einmal aus dem Klassenzimmer raus ist, ist Unterricht nicht mehr gefragt, maximal in homöopathischen Dosen (no na, ein jeglicher, der ein bisserl mit Kindern zu tun hat oder hatte, weiß bescheid).
Da kommen also zweiundzwanzig Herangewachsene mit MP3 Stöpserln im Ohr oder Handy an selbiges geklebt daher und haben Projekttage.
Es soll in die Au gehen, Ausrüstung entsprechend vorhanden, was heißt Converse Stoffschühlein, enge Jeans und unterschwellig verbreitet „mir is fad“, weil wandern tut das junge Volk schon lang nicht mehr im allgemeinen, weil Stadt ist Heimat.
Jetzt gilt es Rattenfänger zu spielen und irgendwie den Haufen hin zu lenken wo halt der Sinn der ganzen Unternehmung liegt, zum Ahnen von Natur.
Na ja, dass da auf einer Schwarzpappel ein paar Reihernester sind wird wahrgenommen, das hat man aber eh im Fernsehn schon gesehn, vor „Deutschland sucht den Superstar“.
Dann aber, ein paar Meter weiter, da wuchern Neophyten (Pflanzeneindringlinge die da nicht hingehören, weil so ein drüsiges Springkraut schnupft die Vielfalt auf und macht sich solo breit), das durfte man ausreißen und das war eine Hetz.
Und mit dem Angreifen und Tun, da war ein Damm gebrochen, weil Spüren ist ein Fundament. Danach ging´s weiter, Bärlauch essend und in Rucksäcke gestopft für die Daheimgebliebenen. Da fand man Käfer, Spinnen (bäh), tat sie in Becherlupen und steckte seine Nase dran, benannte und ließ wieder frei (Jäger und Sammler sind wir ja immer noch).

Dann weiter hin zum großen Wasser, quer über Haufen angeschwemmter Bäume (Survivalellement und Abenteuer) und Rast am Strom, Steine und Muschelschalen sammelnd.
In ausgeborgten Gummistieferln im seichten Wasser staksen, der Twincity kommt daher, „Geht weg vom Wasser, gleich kommt eine Welle“, Geht weg vom Wasser, gleich kommt eine Welle!“, „Geht´s raus, gleich kommt eine Welle!!!“, und schon sind zwanzig Stieferln randvoll angefüllt mit Donau (Lörning bei Doing). Zumindest war´s dem einen Trost, der sich schon vorher unfreiwillig hingesetzt hat in den Donaustrom, und eine Reservehose war da nicht.
Und wieder weiter feuchten Fußes, über und unter umgestürzten Baumriesen dahin, Steinezerschlagen zwischendurch, weil was ist hart und was ist weich im Donauschotter, wo kommt es her und wie. Hinauf, Hinunter und „mir is fad“ war nur noch ganz, ganz leise.
Mit Beute viel an Schneckenhäusern, Muscheln, Biberhölzer nach Haus ins Nationalparheim (mit Storch am Schornstein, wie es sich gehört).
Heraus das Schreibzeug und noch aufgeschrieben wes alles wir angesichtig wurden, Feuerkäfer, Weinbergschnecke, Laufspinne, Skorpionfliege, die Schnirkelschnecke und den Ölkäfer, das Frauenkäferl sowieso, wie auch noch vieles andere. Was g´hört wohin, wo ist die Ordnung in dem Ganzen.

Und dann zum Abendessen in das nahe Gasthaus, zu Magginudelsuppe, Schnitzel mit Pomfritt und Himbeersaft (Ich hab seit 30 Jahren keinen Himbeersaft mehr getrunken).

Was habe ich dabei gelernt? Du brauchst Geschichten und das Tun, vielmehr als akademische Bildung. Du musst improvisieren, weil Vorsatz scheitert an Realität. Ein Referat ist nicht gefragt, da hört dir kaum wer zu, du musst begeistern, nicht belehren.
Wenn du was sagst, fühl nach ob´s angekommen ist, weil so was ist nicht selbstverständlich!
Und noch was, wundere dich nicht, dass die Jungsters keine zweite Hose mithaben aber dafür ein zweites Handy.
Wundere dich auch nicht darüber, dass wenn du sagst, „Geht´s nicht mit den dreckigen Schuhen ins Haus“, sie dann draußen und drinnen nur noch in gatschigen Socken herumrennen, weil das ist Logik.



Das wär jetzt sowas, man könnte sagen eine Weide, könnt sie benennen und schubladisieren. Man könnt auch eine Legende um die Spuren ranken, weil jedes ihrer Löcher gibt was her, und schon hat man das Universum hier im Kleinen. Nicht weil ein Specht und so, nein, erst die Rossameise und Beute für den Vogel und dann dramatisch Kampf und Überleben, und lachende Dritte die da nisten, nebstbei die andren Löcherbohrer derweil die Weide wie wacker weiterlebt (das wär jetzt Wagner und Walküren).

Radierwerkstatt

Josef Mühlbacher

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