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Radierwerkstatt

Samstag, 1. August 2009

Licht und Schatten

Na echt, ich finde das nicht lustig, ja ich bin geneigt zu sagen, skandalös.
Da tust du achtundreißig Jahr dein Handwerk, denkst, langsam hast du es kapiert, mitnichten.
Ein paar hundert mal funktioniert ein Weg und plötzlich wieder nicht, weil Ionisierung, Luftfeuchtigkeit oder Temperatur ein bisserl abweichen von der Norm, und du stehst da und versuchst gegenzusteuern irgendwie.
Ähm was, ja, ich rede von Galvanisation (Stahl auf Kupfer, weil wir sind in der Radierwerkstatt). Das ist notwendig wenn man Kupferplatten für Farbe schützen will, weil sonst oxydiert Gelb oder Weiß zu Grau, außerdem minimiert es die Verletzbarkeit der Oberfläche, aber das tut gegenständlich nichts zur Sache (außer hier und jetzt bei mir).
Machen wir uns nichts vor, eine Situation ist nie dieselbe wie gestern, aber dies sich einzugestehen ist immer wieder nicht so leicht, was sich jetzt nicht nur auf Galvanisation beschränkt.
Nimm Worte, nimm irgendeinen Satz. Heut klingt er so und wohlgemeint, und morgen ist er, leicht andersfarbig, Anlaß für düstre Wolken. Ursache kaum greifbar, rätselhaft.
Ja ich weiß, Männer und Frauen, ein weites Land ... (Galvanisation ist weiblich!)
Du kannst noch so aufstrampfen, Fügen ist angesagt.
Ein Halm biegt sich, ein starrer Ast bricht, beharren sinnlos (meistens).

Und jetzt denken wir uns zwei Tage weiter, also schon noch heute aber eben den übernächsten Tag, weil sieht man ja nicht wie die Zeit von einer Zeile zur anderen vergeht.
Also liebe Zeitreisende, das geht da weiter so. Irgendetwas läuft unrund.
Hier ein bisserl, da ein bisserl, grad so, dass es nicht arg ist, aber immer eine Winzigkeit daneben liegt, halt so fast.
Ein Äuzerl zu unbunt, der Passer wackelt (wir sind beim Radierung fabrizieren) und das erhoffte Ah wird zu Hmmm.
Manchmal ist halt der Wurm drin. Na ja, wird schon werden, war ja bis jetzt immer so (oder ich hab´s vergessen ;-) ). Haare ausraufen bringt nichts, weil da sind nicht mehr so viele, außerdem „die“ Radierung, also Vorsicht Josef!

Also zwei, drei Schritte zurück und den Blickpunkt verändern.
Ja hallo, da ist ja warmes Sonnenlicht und eine ganze Welt, wer hätte das gedacht?


licht-und-schatten

Samstag, 13. Juni 2009

wieder einmal Radierwerkstatt

Erstaunlich wie viele Dinge es zu tun gibt wenn man das eine nicht wirklich anfangen will.
Na ja, ich sollte an sich jetzt weitermachen an den Farbplatten für einen Herrn Kunden, aber wenn da ein bisserl Antipathie im Spiel ist, kannst du die Motivation sonst wo suchen.
Also erst einmal aufräumen. Physikalisch ein Problem, weil ich hab da hier so ein heimeliges Chaos, das möchte ich nicht missen, noch nicht, man findet ja nachher nichts mehr.
Also die virtuelle Ecke, quasi Sisyphos im Bit- und Byte-Bereich, das aber gleich Mega. Dein Computer, die moderne Rumpelkammer! Chapeau den Leuten, die noch halbwegs eine Übersicht haben, was wo herumkugelt.
Irgendwann Graphiken digital festgehalten, weil vielleicht braucht man das einmal, Werksverzeichnis oder so, träumt man.

Im-Anflug

Hab ich einmal gemacht diese Farbradierung mit Namen „Anflug“. Das war mir wichtig und die manigfachen Stunden dafür wert. Das mit dem Licht, und dass da ein Ankommen ist aus dem Dunkel heraus. Still und in der Nacht, weil das Meiste passiert nicht mit Pomp und Trara (wie grad eben ein seltsamer Königinnengeburtstag, mit Live und in alle Welt hinaus), sondern es schleicht sich ein um plötzlich da zu sein.
Ich mein, ich weiß noch, warum ich das damals hab machen müssen, aber das tut nichts zur Sache, ein Jeder sieht darin ein Eigenes, oder halt nicht, das darf so sein. Ein stilles Kommen, Anfang von Etwas oder Ende, ein Bruch, ein Neubeginn oder halt „nur“ Erkenntnis, oder ein Wissen (weil Eulenvögel, und auch manche Käuze, gelten ja als weise, fragt´s mich jetzt bitte nicht, warum), die Jahre einer Liebe oder die Jahre meiner selbst.
Und grad das ist das Schöne an der Bildersprache, du sagst einen Gedanken und der löst etwas aus, wenn es gelingt. Der Andre sieht das Werk und ist begeistert wenn es trifft, oder halt nicht, weil oftmals ist die Sprache fremd.
War, und ist, übrigens auch in diesem Fall so. Kurz nach der Vollendung hatte ich eine Ausstellung (manchmal tut man sich so was an), das Echo war gemischt. Der Bogen spannte sich von „Endlich macht jemand meine Bilder“ bis „Machen sie nicht auch was Schönes, wie Landschaftsbilder oder was Erotisches“ (mach ich ja eh auch, aber nur wenn es passt).
Du kannst nur hinausrufen was in dir ist, anderenfalls bedienst du nur Klischees. Für Dekoration bin ich halt nicht geeignet.

Ah, da fällt mir ein, ich sollte jetzt radierwerkstattmäßig weitermachen, ein hübsches Himmelchen mit Verlauf ätzen, weil die Wände in den Zahnarztpraxen dürsten nach Beschmückung erlauchter Namen. So tu ich´s, seufzend aber korekt.



Sieh da, Webseitentest, Note 2,2, könnte schlimmer sein

Mittwoch, 13. Mai 2009

So zwischendurch

Ich-bin

Warum muss immer wieder dieses Spiel sein, das mit dem Schuld zuweisen. Das bringt genau nichts, außer dass ein wackeliges Ego einen Punkt zu erringen scheint, in einem Match das eh nur einer spielt. Biiitteee, die Zeiten von Sandkisten und Schauferln sind vorbei (also selbst drin sitzend und plärren wenn man zweiter ist).
Wir sind in der Radierwerkstatt (ihr nicht, wär ja sonst auch ein bisserl eng) und geh´n einem Künstler zur Hand (na eh der Ammervogel). Vorlage hübsch auf Kupfer gebracht, geätzt, gedruckt, sieht gar nicht mal so übel aus, hie und da im Schatten tuschig, was anders nicht zu machen ist, sonst sind die leichten Stellen blind (wer da jetzt Bahnhof versteht, ist nicht allein, was aber gegenständlich nichts zur Sache tut). Das kann man auspolieren und kupferstechend Linien setzen.
„Nein, sagt der Künstler, das ätzen wir (wir?). Hau mir einen Ätzgrund drauf, ich mach das mit der Nadel.“
Denk ich mir schon, auweh, und sag „Karl, das wird nichts, in eine tiefe Aquatinta geht so kein klarer Strich, das reißt aus!“
Genug jetzt mit dem Fachchinesisch, ich hab´s getan und das Ergebnis war wie zu erwarten, halt keins so ganz nach Meisters Wünschen.
Warum war klar, ich habe irgendeinen Fehler gemacht, weil so was geht einfach wenn man es richtig macht, sagt Meister Karl.
Ich seufze, ich seufze tief ein zweites mal, weil wenn da Worte kämen, na pfüat Gott.
Was Fehler sind das weiß ich abzuschätzen, ich hab deren genug getan, und stehe auch nicht an, mich dazu zu bekennen, weil Mensch ist fehlbar. Hab 1971 erstmals in die Farbe gegriffen und seither einiges gelernt. Das Eine geht, das Andre nicht, trotz Basteln und Erfinden, so ist das.
Skoda hat kein Formel 1 Team, mit einem vollen Einkaufswagerl kommst du mit 10 Euro nicht durch, Das Christkind (Weihnachtsmann gegebenenfalls) kommt nicht in jede Wohnung (geht sich rein mathematisch nicht aus!) und GottIn sitzt nicht weißbebartet auf einer Wolke und schaut uns beim Scheißen zu.
Damit hat man sich, so hoffe ich doch, irgendwie abgefunden und sagen dazu Realität.
Klar, du kannst dich darüber echauffieren, dass der Himmel nicht grün ist und das Wasser nass, aber wozu?
Ich habe also einen Kunden der Schuld sucht dass die Wollmilchsau keine Eier legt, soll sein.
Wozu das dienen soll? Ich weiß es nicht.

Donnerstag, 9. April 2009

Na endlich mal Radierwerkstatt

Drucken

Aaah, es riecht nach Leinöl, Farbe, Terpentin und auch nach Pfeifennebelschwaden. Die Tür geschlossen, Fenster offen und ich verkriech mich in die Bilder.

Ist ja schon eine Weile her und längstens überfällig, sich so mit Färbeln, Wischen und dem einen oder andren kleinen Trick ein Bild aufbauen. Ist zwar nicht meines, dieses Bild, obschon, ich hab´s gemacht, der Cyrano der Graphik, stets im Hintergrund. Was soll´s, das Handwerk ist vergessen, kaum einer weiß noch um die Möglichkeiten (Kupferdrucker (Kupfer nennt man Kupferstich, daher der Name) steht längst im Lexikon der ausgestorbenen Berufe), geschweige denn dass Künstlerhände sich damit befassen, weil schnelles Geld ist anderswo.
Ein paar wenige tun dies noch, also radieren (das ist jetzt wiederum kein Stich, da wird geätzt) und für die bin ich da, so mehr gefragt ist als nur das Profane.

Oft, wie im gegenständlichen Fall, der Name tut da nichts zur Sache, weil was kann ein Vogel dafür dass der sich auch so nennt, kommt Künstlerfürst daher und hat ein Bild gemalt oder gezeichnet und giert nach multipler Vermarktung seines Originals.
„Josef, ich möchte nicht schon wieder ein Litho (das schmerzt, weil Ofsett ist kein Litho, Litho das wär vom Stein) machen, da wär eine Radierung angebracht.“
Der Josef nimmt´s, und macht sich an die Arbeit, er nadelt, deckt und ätzt, poliert und roulettiert, passt ein und trennt die Farben, trennt die Formen auf mehreren Platten Kupfers auf dass sie nachher ineinander wohl sich fügen. Er mischt eine Palette und setzt mit kundiger Hand noch hie und da einen Akzent, färbt, wischt und druckt das Ding auf feines Bütten.

Der Künstlerfürst erscheint und tut sehr wichtig, er furcht die Stirn und kratzt noch selbst ein Spürchen in die Platte (ist so wie Markieren bei den Hunden), „Oijeh, das war zuviel, geh Josef, das machen wir wieder weg.“ Und geht zu seinem steuerschonenden Mercedes, wehklagend über Kosten und den drohenden Ruin (weil he, ich nehme Geld für meine Dirnendienste).

Das Werk prangt dann in Galerien an der Wand, „höchstselbst“ gefertigt von dem Vogelkünstler in altmeisterlicher Manier und unterzeichnet weil ja original. Der Duktus seiner Flächensetzung, schier genial, und der Verlauf im Himmel, wie hat er das gemacht?
In einem Schattenwinkel steht ein graumelierter Herr, ein Pfeifchen in den Mund gezwickt und lächelt sehr versonnen, weil Kaisers neue Kleider, die sind unsichtbar. Monarchens Birnenbauch und Schrumpeliges da im Schritt, das hat was Trauriges. Wer´s braucht, den Glitzerrock mit Aufschlag und den Orden, der soll ihn haben, soll sich dran scheinbar rückratstärkend aufrichten und fragwürdigen Sonnen sich entgegenstrecken, das ist nicht mein Plaisier.

Es riecht nach Farbe, nach Leinöl und nach Terpentin, die Hände haben was zu tun, das ist es.
Wenn´s einmal draußen ist das frisch Geworfene, dann geht es sowieso den eignen Weg. Das Tun dahin, das kann ich euch empfehlen. Haben und Sein sind zweierlei und werden oft wervechselt.

Salut ihr Lieben
Josef

Montag, 2. Februar 2009

Dies

Christian

Christian Flora, junger Mensch mit gutem Auge und Händen die wissen wie Gedachtes in Bilder umzusetzen ist war heute hier. Ein Künstler der noch wohin will, experimentierfreudig, aber nicht einer der das Zufällige über das Gewollte stellt.
Christian hat erst einmal Hintergrund gemacht auf einer Platte für eine Radierung, Zuckertusche. Na ja, ich denke, das wird was. Jetzt punktelt er seine Zeichnung minuziös auf das Kupfer, dann schmeißen wir eine Aquatinta drüber und pinseln und ätzen und schleifen noch ein bisserl herum. Tonplatte dazu, pinseln, ätzen und polieren, und das wird was.

Der Kunstschaffenden sind nicht mehr viele die sich mit Druckgraphik einlassen, namentlich mit Druckgraphik die sich nicht auf´s Reproduzieren beschränkt. Umsatzzwänge, eingeschliffene Wege, Billigpreise, all das hat die Luft aus der Radierung genommen. Pseudolitho, der flinke Siebdruck, Print. Rasch, viel, billig, konkurierend mit dem Poster an der Wand, ist nicht so mein Ding.

Was ist ein Bild? Na ja klar, Abbildung. Abbildung wovon, wofür? Dekoration ist das eine, da langt der Offsetdruck von Klimtens Kuß oder sonst einem Kalenderbild in oberflächlichem Verständnis. Das Andere ist die Teilnahme an Gedanken und Exclusivität eines Menschen der/die einen Teil seiner/ihrer selbst zur Verfügung stellt.
Letztendlich ist beides Haben, der dezente Unterschied liegt im, bildbezogenen, Sein.
Klimts Kuß, die Sonnenblumen von Van Gogh, das Dings vom Dings, das sind alles (in Form der Rereproduktion) nur mehr Schatten ihrer selbst. Wenn es genügt, also keine Frage, ist in Ordnung.

Der Namen sind viele, Christian Flora, Brigitta/Bernhard Knoll, Korab, Bramer, Zadrazil, Watanabe, Duffin, ... (wäre da jetzt fast endlos fortzusetzen)

Na, macht´s es gut, und schaut´s worauf ihr schaut
Salut
Josef

Radierwerkstatt

Josef Mühlbacher

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